Bienenhotels – Das ist beim Selber bauen und Kaufen zu beachten

Allgemein
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Bienensterben – ein unheilvolles Wort, das seit einigen Jahren immer öfter zu hören ist. Mit seiner Nennung gehen Prophezeiungen einer Kettenreaktion von

  • Rückgang der Bestäubungsarbeit,
  • Ertragsarmut und Aussterben von Pflanzen,
  • Schwinden von Futterquellen vieler Tierarten,
  • Aussterben der Tierarten und
  • Reduzierung der Nahrungsquellen von uns Menschen

einher. Übertriebene Panikmache? Ganz und gar nicht! Leider sind dies keine Szenarien, die mit einer abwehrenden Handbewegung ins Reich der Fantasie verwiesen werden können. Denn unsere kleinen gestreiften Freunde sind an vielen Orten der Welt schon merklich dezimiert. Während die USA bereits 30 Prozent ihrer Bienen verloren haben und der Nahe Osten einen mehr als alarmierenden Rückgang der Populationen von 85 Prozent verzeichnet, hat Europa die Einbuße von zehn Prozent der Bienen zu beklagen – so der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU).

Aber da muss Mann, Frau, Kind doch was tun. Richtig! Durch das Unterstützen und Schützen der bedrohten Tiere, unter anderem durch ein Bienenhotel. Kaufen oder selber bauen – ganz egal.

Wie in unserem letzten Blogartikel zu „Balkonblumen in der Kiste: Wie Sie eine kleine Pflanzenwelt für Bienen und Hummeln schaffen“ hoch und heilig versprochen, soll es uns nun um Bienenhotels, also im eigentlichen Sinne um Nisthilfen für Wildbienen, gehen. Denn: Dass die für die Pflanzenbestäubung unerlässlichen Hautflügler nur ein oder zwei Nächte bei uns auf dem Balkon oder im Garten logieren und dann weiterfliegen, möchten wir als Naturliebhaber im Grunde nicht. Wir wollen vielmehr helfen, die für uns lebenswichtigen Bestäuber zu fördern und zu erhalten.

Übrigens: Wir widmen uns hier ausschließlich den Bienenbehausungen. Wer anderen fleißigen Insekten helfen will, kann zum Beispiel den bei der Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen gleichermaßen unentbehrlichen Hummeln ein Zuhause geben.

Warum Bienen sterben und wie Nisthilfen helfen

Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die für Honig- und Wildbienen tödliche Konsequenzen haben. Dazu gehören unter anderem:

  • Pestizide und Insektizide, die unter anderem die Orientierungsfähigkeit der Bienen stören und sie lähmen oder töten.
  • Die parasitäre Varroa-Milbe, die das Immunsystem erwachsener Bienen schwächt, die Entwicklung der Bienen-Brut beeinträchtigt und Viren und Bakterien mit sich bringt.
  • Das einzellige Kleinsporentierchen Nosema apis, das die hochansteckende Bienenkrankheit Nosema und damit Durchfall, Flugunfähigkeit und den Tod der betroffenen Bienen hervorruft.
  • Die zunehmende Bebauung und landwirtschaftliche Nutzung der Freiflächen sowie die Bodenversiegelung, die vor allem den nicht im Bienenstock lebenden und bei der Nahrungssuche sehr viel wählerischen Wildbienen Nistmöglichkeiten und Nahrungsquellen rauben.
Pestizide bedeuten für Honig- und Wildbienen den Tod. © rostichep / pixabay.com

Für das vermehrte Bienensterben sind wir bedauerlicherweise in hohem Maße verantwortlich. Schließlich waren und sind es Menschen, die nebenwirkungsreiche Pflanzenschutzmittel wie Neonikotinoide gegen Schädlinge auf den Äckern einsetzen und die für mehr Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie mehr monokulturelle Futter- und Bioenergiepflanzen auf einst vielseitig blühenden Wiesen und Feldern sorgen. Daher ist es nicht nur an der Zeit, sondern vor allem auch an uns, Wiedergutmachung zu leisten.

Honigbienen-Boom und Wildbienen-Lage

Fest steht: Nicht jeder kann (nachhaltig!) imkern und so den Honigbienenbestand erhalten und vermehren helfen. Auch sind bereits zahllose Hobby-Imker auf dem Land und in Städten im Einsatz. In jeder Region Deutschlands gab es im Jahr 2018 mehr Bienenvölker als noch fünf Jahre zuvor – so die Statistik „Bienenvölker in Deutschland“. Das belegt, dass die Botschaft, wie bedeutsam Bienen sind, bei der breiten Bevölkerung Gehör gefunden hat. Doch je mehr Imker immer mehr Bienenstände und damit Nistraum zur Verfügung stellen, bei Trockenheit und für den Winter zufüttern, Parasiten und Krankheiten bekämpfen sowie die Stöcke bei Bedarf in blütenreichere Gefilde verbringen, desto mehr vermehren sich die Honigbienen. Und übermäßig viele Honigbienen stellen Nahrungskonkurrenten für die gefährdeten Wildbienen dar.

Wildbienen sind Solitärbienen, auch Einsiedlerbienen genannt. Das heißt, die Tierchen bauen ihr Nest und versorgen die darin befindliche Brut allein und ohne das Zutun der Artgenossen, derweil im Honigbienenstaat bloß die Königin für Nachwuchs sorgt und die Sammel- und Ammenbienen unter den Arbeiterinnen dessen Versorgung garantieren. Wildbienen haben eine sehr geringe Fortpflanzungsrate. Während die Honigbienenkönigin täglich über 1 500 Eier legt, bringt eine Wildbiene maximal zehn fortpflanzungsfähige Weibchen ins nächste Jahr. Honigbienen haben ihre vom Menschen bereitgestellten Behausungen. Wildbienen indes sind für die Anlage ihrer Brutzellen artenabhängig auf offene Bodenflächen, Käferfraßgänge in Totholz, hohle Pflanzenstängel oder leere Schneckenhäuser fixiert. Und wenn dann die Pollen der Pflanzenarten, auf die die Wildbienen angewiesen sind, von auf keine bestimmten Pollenquellen festgelegten Honigbienen „weggesammelt“ werden, sieht es für den Wildbienenbestand schlecht aus.

Wildbienenhotels nützen wilden Bienen

Durch ein Wildbienenhotel können Naturfreunde, die ihren Beitrag zum Bewahren der Wildbienen leisten möchten, zumindest den Hohlraumbesiedlern unter den solitären Wildbienen – wie der sich in unserem Beitragsbild an die Traubenhyazinthe klammernden Rostroten Mauerbiene (Insekt des Jahres 2019) – Nisthilfen anbieten. Wichtig dabei ist, dass auch die anderen Voraussetzungen im Garten oder auf dem Balkon, wo wir das Bienenhotel aufhängen beziehungsweise aufstellen, stimmen. Das heißt: Es sollten im Umfeld auch für spezialisierte Wildbienen genügend Pollenquellen (Trachtpflanzen) zu finden sowie natürliche Unterschlupfmöglichkeiten und Schutzräume gegeben sein.

Ein arten- und strukturreicher Naturgarten, in dem blühende Wildstauden, Hecken, Trockenmauern, Totholzhaufen und dergleichen abseits von perfekt getrimmtem Englischen Rasen existieren, ist für die Eröffnung eines Bienenhotels ideal geeignet. Auch die Nähe zu großen Kästen und Kübeln auf dem Balkon, die mit bienenfreundlichen Pflanzen bestückt sind, ist gut für einen Wildbienenhotel-Standort. Als bienenfreundlich gelten Pflanzen, die ungefüllte und weit offene Blüten ausbilden und bei denen die Pollen und der Nektar gut zu erreichen sind. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat ein kleines Lexikon bienenfreundlicher Pflanzen herausgegeben, das uns beim Anlocken der Bienenhotel-Bewohner hilft. Die Schaffung einer für Wildbienen geeigneten Umgebung sollte also mit dem Selber bauen oder Kaufen einer Nisthilfe einhergehen. Freilich profitieren dann auch Honigbienen von dem bienenfreundlich gestalteten (Balkon-)Garten.

Ein Bienenhotel selber bauen oder kaufen – Material und Konstruktion sind entscheidend

Damit sich die Wildbienen in unserer Nisthilfe wohlfühlen und bleiben wollen, braucht es sowohl die richtigen Baustoffe als auch die richtige Bauweise. Leider gibt es in Baumärkten, Deko-Läden, Discountern und Gartencentern inzwischen „Wildbienenhotels“ günstig zu kaufen, die, ebenso wie die selbstgebastelten Behausungen so manches fehlgeleiteten Bienenfreundes, den filigranen, empfindlichen Hautflüglern eher schaden als nutzen. Holzfasern, Splitter, Nässe und Fäule – da bleibt keines der fleißigen Insekten, sollte es überhaupt nisten, unbeschadet.

Artgerechte Insektenhotels daher zu finden, ist für neue Bienenfreunde kein Leichtes. Sie müssen artgerechte Insektenhotels und Bienenhotels erkennen und von jenen schädlichen unterscheiden, die es in Super- und Baumärkten wie Dehner, Edeka und Toom zu kaufen gibt. In diesem Video erfahren Sie, wodurch artgerechte Insektenhotels sich auszeichnen. Darüber hinaus erhalten Sie eine Bauanleitung sowie Tipps hinsichtlich der geeigneten Füllung:

Wir sagen ergänzend dazu , auf was Sie achten sollten und welches Material für den Bau eines Bienenhotels so gar nicht sinnvoll ist.

Bitte tun Sie das den Bienen nicht an: Zu weiches Holz und falsche, unsaubere Bohrungen

Ein schwerwiegender Fehler, den viele Menschen beim Selber bauen und beim Kaufen von Nistgelegenheiten begehen, ist der, auf ungeeignete Nisthölzer zurückzugreifen. Weiches, grobfaseriges Holz (wie Fichte, Tanne, Kiefer und anderes Nadelholz) ist ebenso wenig tauglich wie ein zu junger Holzblock oder Holzstamm. Sobald die Bohrungen (mindestens zwölf Zentimeter tief und zwischen zwei und neun Millimeter im Durchmesser) vorgenommen werden, die die natürlichen Käferfraßgänge imitieren und in denen die hohlraumbesiedelnden Wildbienen nisten sollen, stellen sich die Fasern bei zu weichem Holz auf. Aufgestellte Fasern versperren den Bienen den Eingang, können die zarten Tierchen verletzen und quellen beim Kontakt mit Wasser auf, was wiederum die Brut zerstören kann. Saubere, glatte Löcher können ebenfalls nicht gebohrt werden, wenn härteres Holz noch zu jung ist, also zu viel Restfeuchte aufweist. Welches Holz sollen Naturfreunde also für eine Wildbienenbehausung verwenden beziehungsweise auf welches Holz sollten wir beim Bienenhotel-Kauf achten? Auf gut abgelagertes, entrindetes und trockenes Hartholz wie Buche, Eiche und Esche!

Nicht geeignet: Unsaubere Bohrlöcher in reißendem Hirnholz. © Catkin / pixabay.com

Wichtig beim Selber bauen ist weiterhin, dass die Bohrlöcher richtig angebracht und nachbehandelt werden. Bohrungen, die parallel zur Holzfaser verlaufen, also ins Hirnholz getrieben werden, sind zu vermeiden, denn dies begünstigt die Bildung von Rissen, die die Liniennester beschädigen und für das Eindringen von Feuchtigkeit verantwortlich sein können. Eine Holzscheibe und Bohrungen in die Schnittfläche sind aufgrund der möglichen Bildung von Trocknungsrissen denkbar ungeeignet. Vielmehr sollten die Nistgänge – wie ihre natürlichen, von Käfern erschaffenen Vorbilder – im rechten Winkel zur Holzfaser in Stamm- oder Balkenstücken angelegt werden. Möglichst scharfe Bohrer helfen, viele Löcher mit unterschiedlichem Durchmesser sauber ins Hartholz zu bringen. Durch mehrfachen Wechsel des Bohrers können Überhitzungen und Verschmorungen im Bohrgang vermieden werden. Auch sollte der Bohrer während des Bohrvorgangs immer wieder aus dem Loch gezogen werden, damit Späne mitgenommen und entfernt werden. Durch das Ausklopfen des Holzes, das Anwenden von Pfeifenreinigern in den Löchern und das Schleifen der Eingänge können Naturfreunde anschließend auf Nummer sicher gehen und sämtliche Gefahrenquellen im Wildbienenhotel beseitigen.

Auf richtig angebrachte, saubere Bohrungen sollten Sie auch achten, wenn Sie ein Bienenhotel kaufen. Zudem sollte das Balkenstück durch ein Dach vor Wind und Wetter geschützt sein. Der Abwehr von Regen und Nässe dient jedoch vornehmlich das Anbringen, Aufstellen oder Aufhängen an einem geschützten Ort im Garten oder auf dem Balkon.

Wildbienenhotel der Marke „so nicht“. Die wenigen Bohrungen, die fälschlicherweise ins Hirnholz getrieben sind und durch den Maschendraht zum Teil versperrt werden, eigenen sich ebenso wenig zur Besiedelung durch Wildbienen wie Tannenzapfen, Stroh und Ziegel mit zu großen Hohlräumen. Auch gepflückte und damit abgestorbene Palmkätzchen bieten Bienen keine Nahrung mehr. © munki / pixabay.com

Bienenhotel in Form von Pflanzenstängeln und Pappröhren – aber richtig!

Manche unserer wilden, gestreiften Freunde nisten gern in Halmen und Pflanzenstängeln. Diese sollten einen Innendurchmesser von höchstens bis zu einem Zentimeter aufweisen, saubere, geglättete Schnittkanten besitzen und dürfen beispielsweise aus Bambus, Schilf und Naturstroh bestehen. Je nach Bienenart werden hohle oder markhaltige Stängel bevorzugt. Abhängig davon, ob Mark enthalten ist, in das bestimmte Wildbienen ihre Nistgänge graben oder ob wir per Bohrer nachgeholfen und die Stängel für andere Bienen vom Mark befreit haben, müssen die Nisthilfen auf unterschiedliche Weise angebracht werden. Markhaltige Stängel sind einzeln sowie senkrecht oder leicht schräg an Mauern oder Zäunen anzubringen. Wenn hohle Stängel senkrecht befestigt werden, werden sie nicht besiedelt! Vielmehr müssen hohle Pflanzenstängel waagerecht lagern und können somit gestapelt werden. Zu beachten ist hierbei, dass die hohlen Stängel an ihren Enden geschlossen sind. Außerdem ist es ratsam, die gebündelten Stängel mit Kabelbindern oder Ähnlichem zusammenzubinden, damit kein Vogel eine der Niströhren stibitzen kann.

Als Ersatz für hohle Pflanzenstängel eignen sich auch Röhren oder vielmehr Röhrchen aus Pappe, die es online zu kaufen gibt . Der Vorteil ist, dass die Pappröhren nicht erst bearbeitet werden müssen, weil sie zugeschnitten sind und an ihren Eingängen keine scharfen Kanten aufweisen. Allerdings sind die Röhren – wie geschnittene hohle Pflanzenstängel auch – an den Enden offen. Dieses Problem kann gelöst werden, indem die natürlichen oder papiernen Röhrchen in eine Dose, beispielsweise in eine Konservendose, gesteckt werden, deren Boden mit Gips gefüllt ist, welcher mitsamt den Stängeln oder Röhrchen aushärtet. Selbstverständlich gilt für das aus Niströhren bestehende Bienenhotel in der Dose oder in einem anderen Behältnis, dass es beim Aufhängen oder Aufstellen ebenfalls vor Regen und Nässe zu schützen ist.

Wenn die Wildbienen ein solches Wildbienenhotel besiedeln, kann das folgendermaßen aussehen:

Fazit

Die für den Artenreichtum von Pflanzen und Tieren in unserer Welt unverzichtbaren Wildbienen sind es wert, von uns geschützt und unterstützt zu werden. Viele Menschen haben dies bereits erkannt und entsprechend gehandelt. Leider ist gutgemeint nicht immer gut gemacht und mitunter sind gekaufte oder gebastelte „Nisthilfen“ sogar lebensbedrohlich für die Sechsfüßler und ihre Brut. Wer Bienen durch ein Bienenhotel unter die Flügel greifen will, sollte bestimmte Dinge wie die richtigen Maße, die richtigen Materialien und die richtige Konstruktion beachten. Wir hoffen, unser Beitrag hilft dabei.

Unsere Literaturhinweise für Bienenfreunde:

Wildbienenschutz - von der Wissenschaft zur Praxis (Bristol-Schriftenreihe)

Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen: Leitfaden für Bau und Praxis - so gelingt`s 

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